Sozialdienst katholischer Frauen Aachen

Generationen-Brücken

Der Sozialdienst katholischer Frauen in Aachen hat ein neues Angebot „Seniorenpaten“ gestartet

Seniorenpatenschaften (c) Fotolia
Seniorenpatenschaften
Do, 21. Mär 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 12/2019 | Von Andrea Thomas

Morgens kommt eine der Damen vom Pflegedienst für die Tabletten und gegen 12 Uhr der junge Mann vom fahrbaren Mittagstisch. Viel Zeit zum Reden haben beide nicht. Den Rest des Tages ist es recht einsam um Elisabeth Müller (83). Kinder und Enkel leben weiter weg, die sieht sie nur selten. Gerne würde sie nochmal in den Park, aber alleine traut sie sich das nicht mehr zu. Früher kam schon mal eine Nachbarin, und sie haben Kaffee getrunken, doch die ist vor einiger Zeit weggezogen.

So wie der alten Dame in dem Beispiel geht es vielen Senioren, krankheitsbedingte Einschränkungen, das kleiner werdende soziale Umfeld, eine Familie, die nicht so präsent sein kann wie erhofft, sorgen für zunehmende Isolation und Einsamkeit. Eine Beobachtung, die auch die Mitarbeiter des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) in Aachen immer wieder machen. Dabei hätten viele der Senioren noch einiges weiterzugeben, würden gerne mit jemandem reden, ihre Erfahrungen teilen, hören, was die jüngere Generation beschäftigt. Noch mal rauskommen aus den vier Wänden, und sei es nur für einen Cafébesuch oder eine halbe Stunde auf einer sonnigen Bank im Park. Hier setzt die Idee der Senioren-Paten an, das sind Ehrenamtliche, die analog zu den Familien-Paten anderen etwas von ihrer Zeit schenken. Der Impuls dazu kam von Gisela Dransfeld-Nießen. Sie und ihr Mann sind seit vielen Jahren Familien-Paten. Über das eigene Älterwerden ist ihr aufgefallen, dass es in Aachen auch viele noch daheim lebendende Senioren gibt, die einen solchen Paten ganz gut gebrauchen könnten. Also konfrontierte sie Ursula Braun-Kurzmann, Geschäftsführerin des Aachener SKF, mit der Frage: „Gibt es da auch etwas für Ältere?“

Abwechslung ins Leben bringen

Jetzt schon oder bald, denn zunächst braucht es einen Pool Ehrenamtlicher, die sich vorstellen können, eine solche Aufgabe zu übernehmen. An interessierten Senioren mangele es ihnen nicht, wie Irene Engelhardt berichtet, die das Angebot koordinert. „Wir bekommen viel über Pflegedienste und über unsere Beratung mit, wo ein alter Mensch einsam ist und Ansprechpartner sucht.“ Jemand, der regelmäßig zwei- bis viermal im Monat vorbeischaut, mal etwas mit dem Senior unternimmt, ein Hobby mit ihm teilt und ein wenig Abwechslung ins Leben bringt, könnte da viel Lebensfreude bewirken.

Was ein Paten-Duo in der gemeinsamen Zeit mache, sei ihm überlassen. Lediglich hauswirtschaftliche oder pflegerische Leistungen sollen nicht Aufgabe der Paten sein. Dafür gebe es andere Angebote, wie Ursula Braun-Kurzmann unterstreicht. Auch soll sich das Angebot an Senioren richten, die noch in den eigenen vier Wänden leben. Als mögliche Paten möchte der SKF nicht nur die fitten „Best-Ager“ ansprechen, die nach Familie und Beruf eine neue Aufgabe suchen, sondern gerne auch jüngere Menschen. Denkbar wären auch Familien, die so ihren Kindern einen persönlichen Kontakt zur älteren Generation ermöglichen.

Geben und Nehmen für beide Seiten

Das Angebot soll auch eine Brücke zwischen den Generationen bauen, eine Beziehung schaffen, aus der beide Seiten etwas für sich mitnehmen. „Die Älteren verfügen oft über Kenntnisse, seien es alte Rezepte, Handarbeitstechniken oder Handwerkliches, die mit ihnen verloren gehen und die sie gerne weitergäben“, fasst Ursula Braun-Kurzmann zusammen. So könnten die jüngeren Paten nicht nur viel geben, sondern auch zurückbekommen. Aufgabe des SKF ist es, passende Paarungen zusammenzubringen, sie zu begleiten und bei Fragen ansprechbar zu sein. Angedacht sind auch Fortbildungsangebote für die Paten, um ihnen Hintergrundwissen, zum Beispiel zu Pflegeleistungen oder dem Umgang mit Trauer zu vermitteln. Alle Paten sind über den SKF versichert, Fahrtkosten können erstattet werden. Der SKF vermittelt auch ein erstes Kennenlerngespräch und hilft, Vereinbarungen miteinander zu treffen und Erwartungen auf beiden Seiten zu klären.

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